{"id":142,"date":"2019-09-03T15:26:02","date_gmt":"2019-09-03T13:26:02","guid":{"rendered":"http:\/\/dgpp.de\/de\/?post_type=kbe_knowledgebase&#038;p=142"},"modified":"2019-09-03T15:26:02","modified_gmt":"2019-09-03T13:26:02","slug":"mein-partner-kann-infolge-einer-aphasie-nicht-mehr-sprechen-wie-kann-man-uns-helfen","status":"publish","type":"kbe_knowledgebase","link":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wissen\/mein-partner-kann-infolge-einer-aphasie-nicht-mehr-sprechen-wie-kann-man-uns-helfen\/","title":{"rendered":"Mein Partner kann infolge einer Aphasie nicht mehr sprechen. Wie kann man uns helfen?"},"content":{"rendered":"<p>Aphasie bedeutet einen Sprachverlust nach erfolgreichem Spracherwerb in der Kindheit. Es sind also \u00fcberwiegend Jugendliche und Erwachsene betroffen. Es kommen aber auch Aphasien bei Kindern w\u00e4hrend eines bis dahin normalen Spracherwerbs vor, z.B. bei bestimmten Epilepsien (z.B. Landau-Kleffner-Syndrom).<\/p>\n<p>Aphasien entstehen bei einer Sch\u00e4digung sprachverarbeitender und sprachsteuernder Areale im Gehirn. H\u00e4ufigste Ursache bei Erwachsenen ist ein Schlaganfall, entweder mit einer Durchblutungsst\u00f6rung (&#8220;verstopftes Blutgef\u00e4\u00df&#8221;) oder mit einer Einblutung in das Hirngewebe (&#8220;geplatztes Blutgef\u00e4\u00df&#8221;). Seltenere Ursachen sind z.B. Unf\u00e4lle bzw. Sch\u00e4del-Hirn-Traumata, Hirnkr\u00e4mpfe bzw. Epilepsie, gutartige oder b\u00f6sartige Hirntumoren. Auch nach Operationen im Gehirn k\u00f6nnen Aphasien entstehen; darauf wird vor solchen Operationen hingewiesen. Da die Sprachfunktionen in der sog. dominanten Hirnh\u00e4lfte lokalisiert sind, treten Aphasien bei rechtsh\u00e4ndigen Menschen und bei der H\u00e4lfte der linksh\u00e4ndigen Menschen bei Sch\u00e4digung der linken Hirnh\u00e4lfte auf.<\/p>\n<p>Oft sind neben der Aphasie weitere St\u00f6rungen festzustellen, wie z.B. verschiedene L\u00e4hmungen. Diese St\u00f6rungen k\u00f6nnen genauso belastend sein wie Sprech- und Sprachst\u00f6rungen und bed\u00fcrfen nat\u00fcrlich ebenso einer Behandlung. Konzentrieren wir uns aber im Folgenden auf die Sprachst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Bei Aphasien sind meist mehrere sprachliche Leistungen gleichzeitig gest\u00f6rt, z.B.: Zuh\u00f6ren k\u00f6nnen, Sprache verstehen, Sprechantrieb (d.h. &#8220;sprechen wollen&#8221;), Wortfindung, Sinnhaftigkeit des Gesprochenen, Satzbau, Grammatik, Deutlichkeit der Aussprache, Fl\u00fcssigkeit des Sprechens, F\u00e4higkeit zu Lesen und zu Schreiben. Schlimmstenfalls kann das Gesprochene nur noch aus einzelnen Silben oder Worten bestehen. Es k\u00f6nnen &#8220;falsche&#8221; Worte, &#8220;neu erfundene&#8221; Worte verwendet werden. Das Sprechen kann soweit gest\u00f6rt sein, da\u00df man sich nicht unterhalten kann. Manchen erscheinen die Patienten &#8220;dumm&#8221; geworden zu sein, was aber nicht zutrifft!<\/p>\n<p>Sprach- und Sprechst\u00f6rungen k\u00f6nnen durch die Betroffenen so schlimm erlebt werden, da\u00df sie seelisch und psychisch darauf reagieren und z.B. sehr traurig, verzweifelt, mutlos, resigniert, aber auch aggressiv werden. Besonders belastend f\u00fcr die Betroffenen ist es, wenn sie die eigenen Defizite selbst wahrnehmen (also wissen, was sie falsch machen), aber die Fehler nicht vermeiden k\u00f6nnen, weil z.B. das Gehirn &#8220;falsche Befehle&#8221; an die Sprechorgane sendet.<\/p>\n<p>Bei einigen Patienten treten zus\u00e4tzlich zur Aphasie weitere spezielle Sprechst\u00f6rungen auf, die Experten &#8220;Sprechapraxie&#8221;, &#8220;Dysathrie&#8221; oder &#8220;Dysarthrophonie&#8221; nennen. Schluckst\u00f6rungen (z.B. Verschlucken oder zu langsames Schlucken) nennen Experten &#8220;Dysphagie&#8221;. Heiserkeiten hei\u00dfen &#8220;Dysphonie&#8221;. Welche St\u00f6rungen vorliegen, wird durch ein mehrstufiges und interdisziplin\u00e4res Untersuchungsprogramm diagnostiziert:<\/p>\n<p>Eine Spiegelunterschung, meist mit Endoskopie, zeigt, welche Muskeln im Mund, Rachen und Kehlkopf gel\u00e4hmt sind. Damit gibt die Untersuchung Hinweise f\u00fcr eine zu planende \u00dcbungstherapie.<\/p>\n<p>Ein Audiogramm kann aufzeigen, ob zus\u00e4tzlich eine Schwerh\u00f6rigkeit vorliegt, die z.B. den erneuten Spracherwerb behindern k\u00f6nnte. Das ist leider bei etwa 20-30 % der \u00e4lteren Patienten mit Aphasie durch Schlaganfall so: Sie brauchen vor Beginn einer Sprachtherapie H\u00f6rger\u00e4te.<\/p>\n<p>Ein Sehtest beim Augenarzt zeigt, ob die betroffenen Patienten scharf sehen k\u00f6nnen und ob ein Gesichtsfeldausfall vorliegt. Gerade das ist bei Aphasien, wenn sie durch Schlaganf\u00e4lle verursacht worden sind, leider h\u00e4ufig der Fall (ca. 15 %). Gesichtsfeldausf\u00e4lle m\u00fcssen Phoniater und P\u00e4daudiologen sowie Logop\u00e4den genau bekannt sein, wenn sie \u00dcbungen mit Bildmaterial oder Schrift planen und durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine neurologische und\/oder psychiatrische und\/oder psychologische Untersuchung pr\u00fcft, welche zus\u00e4tzlichen L\u00e4hmungen und Sensibilit\u00e4tsausf\u00e4lle vorliegen, ob Hirnkr\u00e4mpfe zu bef\u00fcrchten sind und wie es um die Lernf\u00e4higkeit und Konzentrationsf\u00e4higkeit bestellt ist.<\/p>\n<p>Eine radiologische Untersuchung kl\u00e4rt, wo genau im Gehirn die Sprech- und Sprachst\u00f6rung loklisiert ist und ggf. welche Blutgef\u00e4\u00dfe erkrankt sind. So k\u00f6nnen manchmal durch eine rechtzeitige Behandlung der Ursache der Aphasie weitere drohende Hirninfarkte verhindert werden. Au\u00dferdem kann festgestellt werden, wo der Schluckakt gest\u00f6rt ist und wie man die \u00dcbungstherapie gestalten mu\u00df, damit sich das bessert.<\/p>\n<p>Eine Sprech- und Sprachuntersuchung pr\u00fcft die kommunikativen Defizite im Detail. Eine solche Untersuchung ist besonders belastend, da sie die Defizite besonders offensichtlich zutage treten l\u00e4\u00dft! Darauf sollten Patienten vor Beginn der Untersuchung hingewiesen werden. Auf der Grundlage dieser Sprech- und Sprachuntersuchungen wird ein \u00dcbungsprogramm zusammengestellt, das Schritt f\u00fcr Schritt die kommunikativen Defizite bessern soll.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit des Gehirns, sich zu regenerieren, ist in dern ersten Wochen besonders gut. Deshalb sollten erste \u00dcbungen m\u00f6glichst rasch nach Beginn der Aphasie begonnen werden, d.h., sobald es der Zustand des Patrienten zul\u00e4\u00dft. Eine Sprech- und Sprachtherapie ist immer eine aktive Therapie, d.h. es ist Mitarbeit und Motivation erforderlich. Als Angeh\u00f6rige werden Sie m\u00f6glicherweise in die Therapie mit einbezogen: Sie werden \u00fcber die St\u00f6rungen aufgekl\u00e4rt und es wird Ihnen gezeigt, wie Sie mit der St\u00f6rung umgehen und wie Sie dem Betroffenen beim Sprechen helfen k\u00f6nnen. Alles dies mu\u00df individuell auf die St\u00f6rung abgestimmt werden.<\/p>\n<p>Die \u00dcbungen schlie\u00dfen nicht nur das Sprachverstehen und das Sprechen ein, sondern auch Lesen und Schreiben. Dabei bessern sich die meisten Aphasien deutlich, besonders innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der Erkrankung. Die Besserung \u00e4u\u00dfert sich entweder darin, da\u00df der Schweregrad aller St\u00f6rungen gleicherma\u00dfen zur\u00fcckgeht, oder die Symptome gehen unterschiedlich stark zur\u00fcck, soda\u00df sich das Erscheinungsbild bzw. der &#8220;Charakter&#8221; der Sprachst\u00f6rung ver\u00e4ndert (sog. Syndromwandel). Nach einem Jahr sind meist nur noch geringf\u00fcgige Besserungen zu erreichen, wobei es aber durchaus viele positive Ausnahmen gibt.<\/p>\n<p>(R. Sch\u00f6nweiler)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aphasie bedeutet einen Sprachverlust nach erfolgreichem Spracherwerb in der Kindheit. 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