{"id":125,"date":"2019-09-03T15:06:27","date_gmt":"2019-09-03T13:06:27","guid":{"rendered":"http:\/\/dgpp.de\/de\/?post_type=kbe_knowledgebase&#038;p=125"},"modified":"2019-09-03T15:06:27","modified_gmt":"2019-09-03T13:06:27","slug":"was-passiert-beim-stimmwechsel-was-ist-dabei-fuer-kinder-mit-einer-erhoehten-stimmlichen-belastung-kinder-und-jugendchoere-etc-wichtig","status":"publish","type":"kbe_knowledgebase","link":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wissen\/was-passiert-beim-stimmwechsel-was-ist-dabei-fuer-kinder-mit-einer-erhoehten-stimmlichen-belastung-kinder-und-jugendchoere-etc-wichtig\/","title":{"rendered":"Was passiert beim Stimmwechsel? Was ist dabei f\u00fcr Kinder mit einer erh\u00f6hten stimmlichen Belastung (Kinder- und Jugendch\u00f6re, etc.) wichtig?"},"content":{"rendered":"<p>Der Stimmwechsel (Fachbegriff: &#8220;Mutation&#8221;) ist ein normaler Abschnitt in der Entwicklung der kindlichen Stimme. W\u00e4hrend man vor dem Stimmwechsel die Stimmen der Jungen nicht von denen der M\u00e4dchen unterscheiden kann, sprechen und singen die jungen M\u00e4nner nach der Mutation deutlich tiefer als die Frauen. Das liegt an einem unterschiedlich starken Wachstum des Kehlkopfes, welches in die allgemeine K\u00f6rperentwicklung w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t eingegliedert ist und von Hormonen gesteuert wird. Bei den jungen M\u00e4nnern tritt dabei h\u00e4ufig der vordere Anteil des Kehlkopfes am Hals als &#8220;Adamsapfel&#8221; hervor. F\u00fcr die H\u00f6he der Stimme ist die L\u00e4nge der Stimmlippen verantwortlich, die bei den Knaben um ca. 10 mm, bei den M\u00e4dchen nur um ca. 3-4 mm zunimmt. Deswegen sinkt die sogenannte mittlere Sprechstimmlage, also der Tonh\u00f6henbereich beim normalen Sprechen, beim m\u00e4nnlichen Geschlecht um ca. eine Oktave, beim weiblichen um ca. eine Terz ab. Das gilt auch f\u00fcr den gesamten Tonh\u00f6henumfang, also f\u00fcr den Bereich zwischen dem h\u00f6chst- und tiefstm\u00f6glichen Ton, was dazu f\u00fchrt, dass Frauen in den hohen Stimmgattungen (Sopran, Mezzosopran und Alt) und M\u00e4nner in den tiefen Stimmgattungen (Tenor, Bariton und Ba\u00df) singen.<\/p>\n<p>Der Stimmwechsel beginnt oft im 12 oder 13. Lebensjahr, durch die allgemeine Verfr\u00fchung der Entwicklung k\u00f6nnen erste Anzeichen aber auch schon im 9. Lebensjahr auftreten. W\u00e4hrend die M\u00e4dchen ihren Stimmwechsel oft nicht bemerken, macht er sich bei Jungen oft durch einen heiseren und rauen Stimmklang und durch eine geringere Belastbarkeit bemerkbar, was manchmal von einem unwillk\u00fcrlichen \u00dcberschlagen und Hin-und-Herkippeln der Stimme (&#8220;Stimmbruch&#8221;) begleitet sein kann. Die durchschnittliche Dauer des Stimmwechsels bei Knaben liegt etwa bei 9 Monaten und kann zwischen 6 und 24 Monaten schwanken. Bei M\u00e4dchen l\u00e4uft das geringere Kehlkopfwachstum schneller ab und ist nur selten von einer Einschr\u00e4nkung der Stimmleistung begleitet.<\/p>\n<p>Bis zum Abschluss dieser Entwicklungsphase ist es erforderlich, das sehr empfindliche Zusammenspiel zwischen den heranwachsenden Strukturen des Kehlkopfes (Muskeln, Schleimhaut, ect.; Steuerung durch Nerven) und den anderen Teilen des Stimmapparates (Lunge, Resonanzr\u00e4ume des Halses und des Kopfes) st\u00e4ndig neu zu erlernen. Am Ende der Mutation stabilisieren sich diese Verh\u00e4ltnisse, die Belastbarkeit der Stimme steigt wieder und vor allem die jungen M\u00e4nner m\u00fcssen die neue Stimmlage als Teil Ihrer Pers\u00f6nlichkeit akzeptieren.<\/p>\n<h3>St\u00f6rungen des normalen Ablaufs<\/h3>\n<p>In diesem Entwicklungsabschnitt der kindlichen Stimme k\u00f6nnen aus verschiedenen Gr\u00fcnden Probleme auftreten. Einerseits kann der zeitliche Ablauf gest\u00f6rt sein: es kann zu einem verfr\u00fchten oder versp\u00e4teten Stimmwechsel oder zum Ausbleiben der Mutation kommen. Andererseits kann das Absinken der Sprechstimmlage und des Tonh\u00f6henumfanges im Vergleich zur normalen Entwicklung vermindert oder zu stark ausgepr\u00e4gt sein. Die Folgen sind unnormal hohe Stimmen bei M\u00e4nnern oder au\u00dfergew\u00f6hnlich tiefe Stimmen bei Frauen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache (z.B. St\u00f6rungen im Hormonhaushalt, psychische Faktoren) und erfolgt in erster Linie durch eine Stimm\u00fcbungstherapie. Bei ausbleibenden Erfolg besteht die M\u00f6glichkeit einer Operation zur Ver\u00e4nderung der Sprechstimmlage. In seltenen F\u00e4llen ist eine Hormonbehandlung erforderlich.<\/p>\n<h3>Kinder mit erh\u00f6hter stimmlicher Belastung<\/h3>\n<p>Kinder, die regelm\u00e4\u00dfig in Ch\u00f6ren oder solistisch singen oder auch im Theater Sprechpartien \u00fcbernehmen, haben eine erh\u00f6hte stimmliche Belastung. Bei diesen M\u00e4dchen und Jungen ist insbesondere w\u00e4hrend des Stimmwechsels eine Betreuung durch einen Gesangsp\u00e4dagogen und Stimmarzt erforderlich, um Stimmst\u00f6rungen zu vermeiden, die durch eine \u00dcberbelastung w\u00e4hrend der Wachstumsphase des Kehlkopfes entstehen k\u00f6nnen. Chorleiter, Stimmbildner und Phoniater sind sich heute weitgehend dar\u00fcber einig, dass die jungen S\u00e4nger w\u00e4hrend der Mutation nicht aktiv an der Chorarbeit (Proben, Konzerte) teilnehmen sollten, was jedoch eine individuelle Stimmbildung nicht ausschlie\u00dft. Die Dauer dieser \u00dcbungen sollte 10 bis 15 Minuten betragen und kann zwei- bis dreimal w\u00f6chentlich erfolgen. Dabei sollten in erster Linie Vokalisen ge\u00fcbt werden, welche die Stimmumfangsgrenzen nicht erreichen und bei denen sich der S\u00e4nger wohlf\u00fchlt. Dabei ist eine regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle durch den Stimmarzt empfehlenswert.<\/p>\n<p>Da sich die Ver\u00e4nderungen beim Stimmwechsel nicht sprunghaft vollziehen und jedes Kind seine k\u00f6rperliche Entwicklung zu einem anderen Zeitpunkt durchlebt, ist es h\u00e4ufig ein besonderes Problem, den Beginn des Stimmwechsels rechtzeitig zu erkennen und damit das zu lange Singen &#8220;in die Mutation hinein&#8221; zu vermeiden. Gerade in den Knabench\u00f6ren sind es die Kinder unmittelbar vor dem Stimmwechsel (&#8220;Pr\u00e4mutation&#8221;), die sich durch einen f\u00fcr die Kinderstimme oft maximalen Stimmumfang und durch eine besonders klangsch\u00f6ne Stimme, verbunden mit einer l\u00e4ngeren musikalischen Erfahrung gegen\u00fcber ihren j\u00fcngeren &#8220;S\u00e4ngerkollegen&#8221; auszeichnen. In einer engen Zusammenarbeit mit dem Gesangsp\u00e4dagogen kann der Phoniater durch eine Kehlkopf-Spiegeluntersuchung, ggf. kombiniert durch die Bestimmung von Stimmleistungsparametern (Tonhaltedauer, Stimmfeld) und Hormonuntersuchungen im Blut (Testosteron), den Stimmwechsel feststellen oder sogar die verbleibende Zeit bis zum Mutationsbeginn vorhersagen. Das kann wiederum dem Chorleiter wertvolle Hinweise f\u00fcr die Besetzung seiner Chormitglieder geben.<\/p>\n<p>(M. Fuchs, W. Behrend)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Stimmwechsel ist ein normaler Abschnitt in der Entwicklung der kindlichen Stimme.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"kbe_taxonomy":[21],"kbe_tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kbe_knowledgebase\/125"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kbe_knowledgebase"}],"about":[{"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kbe_knowledgebase"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kbe_knowledgebase\/125\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"kbe_taxonomy","embeddable":true,"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kbe_taxonomy?post=125"},{"taxonomy":"kbe_tags","embeddable":true,"href":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kbe_tags?post=125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}