{"id":109,"date":"2019-09-03T14:00:47","date_gmt":"2019-09-03T12:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/dgpp.de\/de\/?post_type=kbe_knowledgebase&#038;p=109"},"modified":"2019-09-03T14:00:47","modified_gmt":"2019-09-03T12:00:47","slug":"warum-ist-die-frueherkennung-fruehdiagnostik-und-fruehbehandlung-einer-angeborenen-schwerhoerigkeit-fuer-mein-kind-so-wichtig","status":"publish","type":"kbe_knowledgebase","link":"https:\/\/dgpp.de\/de\/wissen\/warum-ist-die-frueherkennung-fruehdiagnostik-und-fruehbehandlung-einer-angeborenen-schwerhoerigkeit-fuer-mein-kind-so-wichtig\/","title":{"rendered":"Warum ist die Fr\u00fcherkennung, Fr\u00fchdiagnostik und Fr\u00fchbehandlung einer angeborenen Schwerh\u00f6rigkeit f\u00fcr mein Kind so wichtig?"},"content":{"rendered":"<p>Angeborene, also bereits mit der Geburt bestehende Schwerh\u00f6rigkeiten werden heute in Deutschland immer noch zu sp\u00e4t, d.h. erst im Alter von etwa 2 1\/2 Jahren, entdeckt. In dieser Zeit, von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr, lernt das Gehirn besonders intensiv, die H\u00f6rinformationen beider Ohren zu verfeinern, zu versch\u00e4rfen und sinnvoll zu interpretieren. Diese intensive &#8220;H\u00f6r-Lernphase&#8221; nennt man auch &#8220;sensible Phase&#8221;.<\/p>\n<p>Nach dieser Zeit verlangsamt sich das H\u00f6r-Lernen deutlich (endet aber nicht). Deshalb, um die sensible Phase m\u00f6glichst gut auszunutzen, m\u00f6chte man angeborene Schwerh\u00f6rigkeiten rasch, nachdem sie entstanden sind, erkennen und behandeln. Die Behandlung von Mittelohrschwerh\u00f6rigkeiten besteht z.B. in einer medikament\u00f6sen Behandlung oder in einem ohrchirurgischen Engriff. Die Behandlung einer Innenohrschwerh\u00f6rigkeit besteht meist in der Anpassung von H\u00f6rger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Wenn man die sensible Phase ungenutzt verstreichen l\u00e4\u00dft, verpa\u00dft das Kind wichtige Entwicklungm\u00f6glichkeiten, die es nur noch teilweise und m\u00fchsam aufholen kann. Um dies aufzuholen, ist eine besonders intensive &#8220;F\u00f6rderung&#8221;, z.B. als H\u00f6rtraining (meist durch Logop\u00e4den oder P\u00e4dagogen), notwendig. Damit Ihr Kind die notwendigen Entwicklungsschritte der H\u00f6r- und Sprachentwicklung zeitgerecht und phasengerecht durchlaufen kann, ist also eine Fr\u00fcherkennung (besser Soforterkennung!) notwendig.<\/p>\n<p>Deshalb wurde in vielen L\u00e4ndern (z.B. USA, Belgien, \u00d6sterreich) ein sog. &#8220;universelles H\u00f6rscreening&#8221; aufgebaut. Dies ist eine audiometrische Vorsorgeuntersuchung, die bei allen neugeborenen Kindern innerhalb einer gewissen Zeit, z.B. innerhalb einem Monat nach der Geburt, durchgef\u00fchrt werden soll. In Deutschland wird dieses Vorsorgesystem gerade in Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsamt, Hals-Nasen-Ohren\u00e4rzten, Kinder\u00e4rzten, Gyn\u00e4kologen und Geburtshelfern aufgebaut.<\/p>\n<p>Beachten Sie bitte: Das Vorsorgesystem &#8220;universelles H\u00f6rscreening&#8221; konzentiert sich derzeit auf Methoden, die nur die h\u00e4ufigsten Arten der Schwerh\u00f6rigkeit aufdecken kann (z.B. otoakustische Emissionen). Dies sind: 1. Mittelohrschwerh\u00f6rigkeiten und 2. Schwerh\u00f6rigkeiten durch St\u00f6rung der \u00e4u\u00dferen Haarzellen im Innenohr. Die inneren Haarzellen, der H\u00f6rnerv und die H\u00f6rbahnen im Gehirn werden nur bei einem sog. zweistufigen Screening ber\u00fccksichtigt, bei dem im Bedarfsfalle auch Hirnstr\u00f6me gemessen werden. In Deutschland soll deshalb, im Gegensatz zu dem vorgehen in anderen L\u00e4ndern, ein zweistufiges Screening eingef\u00fchrt werden. Dennoch: wenn Sie als Eltern unsicher sind, ob Ihr Kind trotz eines guten Screening-Ergebnisses gut h\u00f6rt, sollten Sie eine weitere, noch genauere Untersuchung veranlassen (z.B. beim Phoniater und P\u00e4daudiologen).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem geben die Vorsorgeuntersuchungen mehr Kinder als schwerh\u00f6rig an, als es tats\u00e4chlich sind. Wenn also Ihr Kind bei dieser Vorsorgeuntersuchung kein gutes Ergebnis hat, bedeutet dies noch nicht sofort, da\u00df es wirklich schwerh\u00f6rig ist! Dies sollte ein Phoniater und P\u00e4daudiologie dann m\u00f6glichst rasch nach dem Test genau untersuchen!<\/p>\n<p>Bitte achten Sie darauf, ob man Ihnen mitteilt, da\u00df ein Ohr oder beide Ohren ein gutes Screening-Ergebnis erzielt haben. Oft wird der befund eines nur einseitig normalen Ergebnisses in der Bedeutung f\u00fcr das H\u00f6ren und H\u00f6renlernen unterbewertet. Beachten Sie bitte, da\u00df Ihr Kind f\u00fcr das H\u00f6ren im St\u00f6rger\u00e4usch und f\u00fcr das Richtungsgeh\u00f6r zwei Ohren ben\u00f6tigt, besonders in der Schule. Au\u00dferdem: Viele (aber nicht alle) einseitigem Schwerh\u00f6rigkeiten k\u00f6nnen entgegen bisheriger Ansicht doch mit einem H\u00f6rger\u00e4t auf der betroffenen Seite versorgt werden. Deshalb mu\u00df man auch einer fraglichen einseitigen Schwerh\u00f6rigkeit diagnostisch nachgehen.<\/p>\n<p><strong>Durch ein zuk\u00fcnftiges universelles H\u00f6rscreening ist davon auszugehen, da\u00df sehr viel mehr schwerh\u00f6rige Kinder fr\u00fchzeitiger als bisher entdeckt und entsprechend behandelt werden. Damit ist zu erwarten, da\u00df bei viel mehr Kindern als bisher die H\u00f6r- und Sprachentwicklung so gut wie irgendwie m\u00f6glich verlaufen kann. Deshalb ist das universelle H\u00f6rscreening der gr\u00f6\u00dfte gesundheitspolitische Fortschritt, der in den letzten Jahren erreicht werden konnte!<\/strong><\/p>\n<p>(R. Sch\u00f6nweiler)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeborene, also bereits mit der Geburt bestehende Schwerh\u00f6rigkeiten werden heute in Deutschland immer noch zu sp\u00e4t, d.h. erst im Alter von etwa 2 1\/2 Jahren, entdeckt. In dieser Zeit, von der Geburt bis zum 3. 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